Der Kreuzbandriss beim Hund

Der Riss des vorderen Kreuzbands ist die häufigste Ursache für eine Lahmheit der Hinterbeine beim Hund. Ohne Behandlung bleibt das Kniegelenk instabil – mit Schmerzen, Meniskusschäden und Arthrose als Folge. Im Tiergesundheitszentrum Südharz in Osterode am Harz untersuchen wir Ihren Hund gründlich und versorgen den Kreuzbandriss operativ – in aller Regel mit der TPLO, bei Hunden jeder Größe.
Wie entsteht ein Kreuzbandriss beim Hund?

Im Kniegelenk verhindern zwei Kreuzbänder, dass sich Oberschenkel und Schienbein gegeneinander verschieben. Fast immer reißt das vordere Kreuzband.
Beim Menschen reißt das Kreuzband meist durch einen Sportunfall. Beim Hund ist es dagegen fast immer ein schleichender Verschleiß: Durch die Bauweise des Hundeknies – vor allem eine steil abfallende Gelenkfläche des Schienbeins (Tibiaplateau) – wird das vordere Kreuzband dauerhaft überlastet. Es entstehen kleine Risse, bis schon eine alltägliche Bewegung wie Toben, Springen oder Ausrutschen genügt, damit das Band vollständig reißt.
Begünstigt wird das durch:
- Übergewicht
- Fehlstellungen der Hinterbeine (X- oder O-Beine)
- eine Kniescheibenverlagerung (Patellaluxation), besonders bei kleinen Hunden
- rassebedingte Veranlagung, z. B. bei Labrador, Retriever, Boxer, Rottweiler oder Neufundländer
Betroffen sind vor allem mittelgroße bis große Hunde, aber ein Kreuzbandriss kann bei jeder Rasse auftreten. Wichtig zu wissen: Bei 30–50 % der Hunde reißt im Lauf der Zeit auch das Kreuzband am anderen Hinterbein.
Symptome: Woran erkenne ich einen Kreuzbandriss?
- plötzliche Lahmheit an einem Hinterbein, oft nur Antippen mit der Zehenspitze
- Lahmheit nach dem Aufstehen oder nach starker Belastung
- wechselnde Phasen: der Hund humpelt, dann läuft er wieder fast normal (typisch beim Anriss)
- geschwollenes, warmes Kniegelenk
- beim Sitzen wird das Bein zur Seite gestreckt („Sitz-Test“)
- Muskelabbau am betroffenen Bein bei längerem Verlauf
Wann zum Tierarzt? Hinkt Ihr Hund länger als drei bis vier Tage, sollte das Knie untersucht werden. Belastet er das Bein gar nicht mehr, kommen Sie bitte am selben oder am nächsten Tag – und halten Sie ihn bis dahin ruhig.
Diagnose
Bei der orthopädischen Untersuchung prüfen wir das Kniegelenk mit dem Schubladentest und dem Tibia-Kompressionstest. Lässt sich das Schienbein gegenüber dem Oberschenkel nach vorn verschieben, ist das Kreuzband gerissen. In den Videos sehen Sie, wie das aussieht:
Röntgenbilder zeigen Gelenkerguss und beginnende Arthrose und dienen gleichzeitig der OP-Planung. Bei einem Anriss sind die Tests oft nicht eindeutig – hier helfen eine Arthroskopie (Gelenkspiegelung) oder eine Computertomographie.

Behandlung: Operation oder konservativ?
Ein gerissenes Kreuzband heilt nicht von selbst. Eine Behandlung ohne Operation kommt nur in Ausnahmefällen in Frage – das Risiko für Arthrose und Meniskusschäden bleibt dabei hoch. In den meisten Fällen empfehlen wir daher eine Operation. Ziel ist nicht, das Band zu nähen, sondern das Knie dauerhaft zu stabilisieren.
Die OP-Methoden im Überblick
TPLO – unsere Standardmethode für große und kleine Hunde
Bei der TPLO (Tibial Plateau Leveling Osteotomy) wird der Schienbeinkopf halbkreisförmig durchtrennt, gedreht und mit einer Titanplatte fixiert. Die Gelenkfläche wird dadurch flacher, der Vorwärtsschub im Knie fällt weg – das Gelenk ist auch ohne Kreuzband stabil. Dank passender Implantate in vielen Größen führen wir die TPLO bei großen wie auch bei kleinen Hunden durch.




TTA – Alternative im Einzelfall
Bei der TTA (Tibial Tuberosity Advancement) wird der Ansatz der Kniescheibensehne am Schienbein nach vorn verlagert und mit einem Titan-Abstandshalter gesichert. Dadurch ändert sich die Zugrichtung der Muskulatur, und das Knie bleibt beim Belasten stabil. Wir setzen sie mit den Systemen TTA Rapid und Tiny TTA Rapid ein, wenn die Form des Kniegelenks im Einzelfall dafür spricht.


Fadenzügel – nur in Ausnahmefällen
Beim Fadenzügel (extrakapsuläre Stabilisierung) wird ein sehr fester, nicht auflösbarer Faden außerhalb des Gelenks gespannt und übernimmt die Funktion des Kreuzbands. Ein Knochenschnitt ist nicht nötig. Wir wenden ihn nur in Ausnahmefällen an, etwa bei sehr kleinen, leichten Tieren oder bei Katzen.
| TPLO | TTA | Fadenzügel | |
|---|---|---|---|
| Prinzip | Gelenkfläche wird abgeflacht | Sehnenansatz wird nach vorn verlagert | Faden ersetzt das Band |
| Knochenschnitt | ja | ja | nein |
| Hundegröße | klein bis groß | klein bis groß | sehr klein und leicht |
| Bei uns | Standard | Einzelfall | Ausnahmefall |
Meniskus und Patellaluxation: Da beim Kreuzbandriss häufig auch der Meniskus geschädigt ist, empfehlen wir im Zuge jeder Kreuzband-OP eine Arthroskopie – so erkennen und behandeln wir Meniskusschäden direkt mit. Falls notwendig, können wir auch während des Eingriffs röntgen. Eine zusätzliche Patellaluxation behandeln wir bei TPLO und TTA Rapid mit speziellen Implantaten direkt mit – mehr dazu bei TPLO und Patellaluxation sowie TTA Rapid und Patellaluxation.
Nach der OP: Heilung und Nachsorge
- Die meisten Hunde setzen das Bein schon wenige Tage nach der Operation wieder vorsichtig auf.
- In den ersten 8–12 Wochen gilt: nur an der Leine, kein Toben, keine Treppen, kein Springen.
- Eine Röntgenkontrolle zeigt, ob der Knochen gut verheilt.
- Physiotherapie baut die Muskulatur wieder auf und entlastet das gesunde Bein.
Die Prognose ist gut: Die große Mehrheit der Hunde läuft nach der Heilung wieder beschwerdefrei.
Häufige Fragen
Kann ein Kreuzbandriss beim Hund ohne OP heilen?
Nein, das Band wächst nicht wieder zusammen. Bei sehr kleinen Hunden kann sich das Knie durch Narbengewebe teilweise stabilisieren, Arthrose und Meniskusschäden sind dann aber wahrscheinlich.
Ist die TPLO auch für kleine Hunde geeignet?
Ja. Wir operieren mit der TPLO große wie kleine Hunde – die Implantate gibt es in passenden Größen.
Was ist besser – TPLO oder TTA?
Beide Verfahren stabilisieren das Knie, ohne das Band zu ersetzen. Wir bevorzugen die TPLO und setzen die TTA ein, wenn die Anatomie des Knies im Einzelfall dafür spricht.
Wie lange dauert die Heilung?
Der Knochen heilt in etwa 8–12 Wochen. Volle Belastbarkeit erreichen die meisten Hunde nach rund drei Monaten.
Termin im TGZ Südharz
Ihr Hund lahmt an einem Hinterbein? Vereinbaren Sie eine orthopädische Untersuchung bei uns in Osterode am Harz – auch für Patienten aus Göttingen, Goslar, Northeim und dem gesamten Harz.
Telefon: 05522 90060 · E-Mail: info@tgz-suedharz.de

